Freitag, 28. August 2015

Die Sommerpause

fällt dieses Jahr aus. Wegen diverser Familienfeiern haben wir leider nicht genug Zeit gefunden in Urlaub zu fahren, ohne das ganze in Stress ausarten zu lassen. Wir haben es uns aber zu Hause schön gemacht und auch viel unternommen.

Leider sind die Ferien auch bald vorbei und bei mir geht es beruflich im "richtigen" Job ab sofort richtig rund, ich mache eine Fachqualifikation und bin daher in den nächsten Monaten viel in Berlin und getrennt von meinen Liebsten. Aber ich freue mich wahnsinnig auf die Herausforderung. Zeit zum Nähen werde ich hoffentlich auch noch genug haben. 

Apropos: Da gibt es wieder einige neue Teilchen...








Donnerstag, 6. August 2015

Nachdenkliches zu einem aktuellen Thema

Da die Lage in unserem Land immer angespannter wird und ich mit Erschrecken feststelle, dass die Zahl hirnloser Arschlöcher - sorry, aber nichts anderes sind solche Leute für mich, die mit ihren rechtsradikalen Parolen und Taten landesweit für Aufsehen sorgen, indem sie Flüchtlinge anfeinden - möchte ich hier über etwas berichten, was ich kürzlich erlebt habe und was mich immer noch ziemlich verfolgt. Ich habe bisher nur mit wirklich engen Freunden und meiner Familie darüber gesprochen, weil mir die Erinnerung immer noch die Tränen in die Augen treibt.
Der eine oder andere weiß, dass ich vor ein paar Wochen mit zwei anderen Frauen zum Wandern/Bergsteigen in den Alpen war. Hin- und Rückfahrt haben wir mit dem Zug gemacht. Ab Innsbruck bestiegen wir einen aus Venedig/Italien kommenden Zug, der uns bis München bringen sollte. Während der Fahrt liefen mehrmals dünne, dunkelhäutige Menschen an uns vorbei, ich machte noch einen Scherz und sagte: "War denn 
hier irgendwo ein Marathonlauf? Die sehen alle so aus wie die typischen afrikanischen Läufer, die man so aus den Medien kennt." Ich habe mir wirklich nicht weiter was dabei gedacht. 
Uns schräg gegenüber auf der anderen Seite des Gangs saß ein schwarzes Mädchen, vielleicht 15 höchstens 16 Jahre alt, etwas älter als meine Tochter. Sie saß lächeln da und schien ihren Platznachbarn im Gespräch zu folgen. Ein paar Reihen weiter vorne saß eine junge, dunkelhäutige Familie, er vielleicht 30, sie in den Zwanzigern mit einem Säugling auf dem Arm, kaum 4 Wochen alt. Es war sehr heiß an diesem Tag, im Zug war es warm und der Säugling schrie fast die ganze Fahrt über. 
Unser Zug näherte sich der deutsch-österreichischen Grenze und kurz vor Rosenheim, dem ersten Bahnhof in Deutschland kam dann eine Durchsage, dass wir dort im Bahnhof einen längeren Stopp haben werden. 
Unser Zug rollte langsam in den Bahnhof ein, und dort standen dann im Abstand von etwa 10-15m Polizisten auf unserem Bahnsteig. Ich kann nicht sagen, wieviele es waren, sehr viele jedenfalls. Bewaffnet und mit Schutzwesten bekleidet. Ungefähr die Hälfte der Beamten stieg zu mehreren von jeweils beiden Seiten in die Waggons ein. Mit dabei Beamte der Bundespolizei. Die Waggontüren wurden verriegelt, keine Chance mehr auszusteigen. Ich kann nicht beschreiben, wie der Gesichtsausdruck des Mädchens uns gegenüber war. Vor Angst aufgerissene Augen starrten uns an. Und dann verstand ich. Diese ganzen dunkelhäutigen Menschen waren Flüchtlinge!! Klar, unser Zug kam ja aus Italien. Dort ließ man diese Menschen  gerne ziehen, wohlwissend, dass sie hier sofort abgefangen werden und man sie selber "nicht an der Backe hat". 
Der Bundesbeamte forderte uns alle auf, unsere Personalausweise vorzuzeigen, was wir total verschüchtert taten. 
Das junge Mädchen hatte keinen. Der Beamte sprach sie auf Englisch an: "Can you show me your passport?" Ich weiß nicht, ob sie es verstand oder nicht. Sie starrte ihn nur weiter an. Er fragte:"Are you from Eritrea?" Sie nickte. "Do you have any papers?" Uns Dreien liefen längst die Tränen übers Gesicht, aus Hilflosigkeit, Mitleid und Angst um diese Menschen. Der Beamte nahm das Mädchen mit, sie hatte nur eine Wasserflasche dabei. Draußen auf dem Bahnsteig wurden dann alle abgeführt: Junge Männer, Frauen, das junge Mädchen, die Familie mit dem immer noch schreienden Säugling. Im gesamten Zug waren sie verteilt, schätzungsweise 30-40 Personen, manche hatten eine Plastiktüte oder kleine Tasche dabei, die meisten nichts als das, was sie am Körper trugen.  In unserem Waggon war es totenstill und alle waren total betroffen. Einige haben wie wir geweint. Hätte nur einer eine rassistische Bemerkung gemacht, ich wäre aufgestanden und hätte ihm ins Gesicht geschlagen. 
Meine Freundin sagte treffend: "Meine Güte, diese armen Menschen. Jetzt haben sie das Mittelmeer überlebt, und müssen hier weiter Angst haben."
Ich mache den Beamten keinen Vorwurf, die machen auch nur ihren Job und soweit ich es sehen konnte, ist keiner der Beamten handgreiflich oder grob geworden. Ich muss ganz oft an dieses junge Mädchen denken. Ob sie sich auch schon den Hassattacken von o.g. Arschlöchern stellen musste? Ich hoffe, es geht ihr gut und sie ist irgendwo in Sicherheit. Denn sie hat ganz sicher nicht ihre Heimat verlassen, weil sie dort eine unbeschwerte Jugend hatte...
Dass die momentane Situation ganz bestimmt nicht optimal ist, ist klar. Aber da muss an anderer Stelle angesetzt werden, die Politiker aller betroffener Staaten müssen Lösungen finden ohne einander den schwarzen Peter zuzuschieben. Das schwächste Glied dieser Kette anzugreifen, nämlich die Flüchtlinge selber führt sicherlich zu keiner Lösung sondern immer weiter ins Chaos. Und ganz ehrlich: Ich wünsche jedem dieser Naziparolen schreienden Idioten, er möge selber mit einem Floß im Mittelmeer ausgesetzt werden!